Als der Film nach Schlotterberg kam, da war die (Film-)Welt 1927 zwar noch Schwarz-Weiß, doch was das K.A.P.-Theaterensemble an zwei Abenden auf der Bühne des Bürgerhauses zeigte, hatte jede Menge Farbe zu bieten. Mit der Komödie „Als der Film nach Schlotterberg kam“ von Andreas Kroll vollendete das Jubiläumsprogramm „Am Kap der Kultur“ zum 30-jährigen Bestehen des Vereins. Das amüsante Theaterstück bot beste Unterhaltung – und hatte zudem auch eine Tanzpremiere zu bieten…
Vorsitzender Jörg Müller wünschte den über 200 Besuchern einen sehr vergnüglichen Abend in den goldenen 20er Jahren“ und verriet, dass es um den Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung ging, wobei die Handlung im Berlin der 20er Jahre und eben in Schlotterberg spielte. Mit dem von Bariton Jörg Müller und Sopranistin Naomi Kawamata gesungenen und von Reiner Eckhardt auf dem Klavier begleiteten Evergreen „Dein ist mein ganzes Herz“ und den einem von den Tänzerinnen und Tänzern dargebotenen flotten Charleston ging es gleich ins Amtszimmer von Bürgermeister Günther Schuster. Wir schreiben das Jahr 1927. Die Ära des Stummfilms neigt sich dem Ende zu, als ausgerechnet in dem verschlafenen Ort Schlotterberg ein Vampir-Tonfilm gedreht werden soll. Und hier sieht das Stadtoberhaupt für sein kleines modernes Städtchen, was für seine Frau ein „Kuhdorf“ ist, die Möglichkeit, Weltruhm zu erlangen. Während Gerda die Ställe ausmistet, möchte ihr Göttergatte mit seinem Ort „Geschichte“ schreiben. So macht er auch dem stellvertretenden Bürgermeister Wilhelm Köhler wie auch seiner Sekretärin Gerda klar, dass er die Gesprächshoheit hat. Als Regisseur Helmut Böhm ihm mit Kameramann Leonard Schwarz erklärt, dass Schlotterberg als Kulisse für den in Transsilvanien spielenden Dracula-Film diene, sind die Schlotterberger perplex. Das Dienstzimmer des Bürgermeisters soll als Schlafzimmer für eine Bissszene von Dracula-Darsteller Rolf Hermann genutzt werden und auch für Bürgermeister-Gattin Anneliese soll es eine Rolle geben, „die sie berühmt macht“. Überhaupt würden viele Komparsen benötigt. „Das ganze Dorf muss mitspielen.“ Mit viel Charme und Witz verkörperten Diva Hildegard Lehmann und Dracula-Darsteller Rolf Hermann die Berliner Avantgarde, während so typisch für die 100-Seelen-Gemeinde Schlotterberg Tischler Otto und auch Hühnerfrau Helga sowie Pfarrer agieren. „Wir werden eine Symphonie des Schreckens drehen. Nosferatu war nur der Anfang. Wir verfilmen Dracula“, verspricht der Regisseur und kündigt ein 80-köpfiges Filmteam an, für welches Unterkunft und Verpflegung benötigt werden. Auch werden dem Dorf 250 Reichsmark pro Drehtag versprochen, Statisten eine warme Mahlzeit – und der Dorfname soll im Abspann genannt werden. „Tonaufnahmen sind besonders kostspielig, deshalb werden wir hier ohne Ton drehen.“ Bei der Filmpremiere in Berlin kommt dann das große Erwachen, denn alle Schlotterberg-Szenen sind herausgeschnitten. All die Opfer, all die Arbeit – alles umsonst! Und so schmieden die Schlotterberger einen Plan, wie sie sich an den hochnäsigen Filmleuten rächen können. Unter dem Vorwand, einen Filmpreis zu vergeben, werden die Filmleute wieder erneut in das Dorf gelockt – und dann ein Grauen „schlimmer noch als Dracula und Nosferatu zusammen“ inszeniert…
| Stück | Als der Film nach Schlotterberg kam | |
|---|---|---|
| Autor | Andreas Kroll | |
| Regie | Julie Pownall | |
| In den Rollen | ||
| Günther Schuster (Bürgermeister) | Frank Schneider | |
| Anneliese Schuster (dessen Frau) | Gabriela Schorat | |
| Wilhelm Köhler (stellv. Bürgermeister) | Marc Crone | |
| Gerda (Sekretärin des Bürgermeisters) | Janina Kabot | |
| Otto (Tischler) | Wilfried Heidl | |
| Helga (Hühnerfrau) | Alena Schneider | |
| Pfarrer | Stefan Hennig | |
| Helmut Böhm (Regisseur) | Stephan Stemmler | |
| Hildegard Lehmann (Diva) | Janina Kabot | |
| Leonard Schwarz (Kameramann) | Jörg Müller | |
| Rolf Hermann (Dracula-Darsteller) | Thomas Schneider | |
| Es tanzten | ||
| Marliese Delekat | Reiner Göbel | |
| Martina Hinrichs | Werner Veit | |
| Anette Jung | Corinna Kabot (Choreographie) | |
| Es musizierten | ||
| Sopran | Naomi Kawamata | |
| Bariton | Jörg Müller | |
| Klavier | Rainer Eckhardt | |
| Aufführungen | ||
| 28.+29.09.2019 | im Bürgerhaus Dornholzhausen | |
| Nachweise | ||
| Bild (1)(3) | Jörg Müller | |
| Bild (2) | Günter Dieckel (Gießener Allg.) | |
| Text | Thomas Wißner (Gießener Anzeiger) | |